Wie beim letzten Mal auch, empfängt mich wieder die kleine Asiatin. Ich muss den Oberkörper frei machen und mich auf die Liege des Meßtisches legen.
Hier bekam ich beim letzten Besuch die Markierungen auf die Haut gemalt und die Maske wurde hier angefertigt.
Eine Art Röntgengerät fährt zuerst um meinen Oberkörper im Bereich der Lunge, dabei zeichnet die Ärztin weitere Markierung auf meine Haut.
Dann wird mir die Mske aufgesetzt und festgespannt. Auf die Maske wird seitlich Pflaster geklebt, auf die später Markierungen gezeichnet werden, erklärte mir die Ärztin.
Die kleine Asiatin die beim letzten Besuch die Maske angefertigt hat und der ich von meiner Angst darunter erzählte hatte, erinnerte sich und meint, dass ich die Maske heute nicht sehr lange tragen muss.
Nachdem das Gerät mehrmals um meinen Kopf gefahren war und die Markierungen angebracht waren, ist die Aktion beendet und ich werde entlassen.
Zuvor erklärte mir die Ärztin noch, dass ich die bestrahlten Stellen drei Mal täglich mit Baby Puder zu behandeln hätte.
Ok, seitdem benutze ich “Penaten Baby Puder” - beugt Hautrötungen vor. Ein roter Schädel sieht wirklich nicht appetitlich aus.
Übrigens Schädel: auf dem wächst seit ca. 14 Tagen Tagen ein weisser Flaum.
Eine Freundin sieht sich den Flaum genauer an und meint: “Da wachsen Haare an Stellen die früher kahl waren”! Chemotherapie als Haarwuchs- mittel? Wohl eher nicht!
Die momentane “Haarpracht” wird die nächsten fünf Wochen wohl nicht überleben; Haarausfall ist eine der wenigen ertragbaren Nebenwirkungen der Therapie.
Donnerstag, 29.05.08, 09.00 Uhr, 1. Bestrahlung
Ich melde mich bei der Anmeldung an und werde gebeten im Wartebereich Platz zu nehmen. Eine Schwester ruft mich und fordert mich auf den Oberkörper frei zu machen. Sie führt mich durch eine automatische Tür in einen ca. 10 m langen
In der Mitte des Raums steht die Bestrahlungsanlage, eine Bedienungs- einheit hängt von der Decke, die Beleuchtung ist gedämmt.
davon auf der Stirn habe.
Die Schwester kommt herein und fährt die Liege in die Ausgangsposition. Die erste Sitzung ist damit beendet.
Freitag, 30.05.08 14.10, 2. Bestrahlung
Nach der Anmeldung, das nette Mädel an der Anmeldung kannte meinen Namen, werfe ich meine Terminkarte in einen Briefschlitz. Damit meldet man der Bestrahlungsabteilung das man eingetroffen ist.
Pünktlich werde ich aufgerufen. Oberkörper freimachen, Handtuch nehmen und in den Bestrahlungsraum gehen. Brille ablegen, Handtuch auf den Tisch legen, den Kopf in dem Gummiklotz plazieren und die Beine über die Kniepolster legen. Das ist die Prozedur die man bei jeder Behandlung auszuführen hat. Danach beginnt die Bestrahlung.
Der Kopf sollte zuerst bestrahlt werden. Die Schwester musste sich sehr anstrengen um die Maske festzusetzten, sie benötigte mehrere Versuche bei denen ich den Kopf immer wieder in eine andere Stellung bringen musste. Mit Hilfe einer Kollegin gelang es endlich den Schädel festzusetzen.
Die Maske drückte während der Behandlung stark auf das Kinn und die Stirn. So stelle ich mir Folter vor.
Nach der “Folter” versicherte man mir, dass die Maske geändert werden würde. Ich hörte aus dem Hintergrund wie sie mit ihrer Kollegin darüber sprach und das Wort Fön fiel.
Anschließend erfolgte die Bestrahlung der Lunge.
Als ich zurück in meine Umkleidekabine kam, liegt dort meine Terminkarte mit dem nächsten Termin.
Montag, 02.06.08 12.50, 3. Bestrahlung
Die gleiche Prozedur wie bei den anderen Bestrahlungen.
Die Maske war etwas geweitet worden, so dass es darunter auszuhalten war, nur auf der Stirn saß sie noch sehr fest, so konnte man die Abdrücke noch einige Zeit später darauf bewundern.
Ca. eine Stunde nach der Bestrahlung zeigte sich die erste spürbare Nebenwirkung, Übelkeit.
Nun war sie wieder da! Was habe ich nicht schon alles an Mitteln ausprobiert um ihr entgegen zu wirken, nichts hat geholfen. Man ist, wie unter der Maske, absolut hilflos.
In den nächsten Stunden traue ich mich nicht aus dem Haus, denn sollte mich die Übelkeit auf der Straße überkommen, müsste ich mich vielleicht von Passanten beschimpfen lassen: “Sie sollten nicht soviel trinken”!
Einem Patienten aus der Strahlentherapie ist das passiert. Ein Hilfeangebot erhielt er nicht.
Deshalb sehe ich immer zu, das ich nach der Behandlung schnellstens nach Hause komme damit mir soetwas nicht passiert.
Zu meinem Glück dauerte die Übelkeit nicht sehr lange an, so konnte ich noch zum Einkaufen fahren.
Die nächste Behandlung habe ich am Dienstag, den 3. Juni 2008 um 12.30 Uhr.
Dienstag, 03.06.08 12.30, 4. Bestrahlung
Heute mußte ich ca. 45 Minuten warten bis ich aufgerufen wurde. Seit ich meine Zeit des öfteren in Wartezimmern verbringen muß, gehört zu meiner Ausrüstung eine Zeitschrift. So ist die Wartezeit sinnvoll zu nutzen.
In der Umkleidekabine wurde mir nach einiger Zeit übel, konnte das Ärgste aber verhindern.
Die Prozedur war wieder die Gleiche. Zuerst wurde der Kopf bestrahlt. Unter dieser Maske kam mir die Frage: was passiert wenn mir unter der Maske übel wird und das Ärgste nicht zu verhindern ist?
Die Frage stellte ich nach der Behandlung der Schwester.
Man würde mich die gesamte Zeit von ihr und einer Kollegin beobachten. Ich solle den Arm heben wenn mir Unwohl wird, dann würde man sofort reagieren.
Abschliesend meinte sie: “Also stellen Sie hier nichts an, Sie werden beobachtet”!
Die nächste Behandlung habe ich am Mittwoch, den 4. Juni 2008 um 14.10 Uhr.
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Source: www.holgerappel.com